Das Filmfestival von Locarno
Als «Sommerfamilienfest für Filmverleiher, Kritiker, Schauspieler – und Feriengäste» wird «der»...
Die Freiluftprojektion auf einer Grossleinwand zieht bereits 1954 das Publikum an, allerdings in...
Ideologische Infiltration aus dem Osten?
Vinicio Beretta, Direktor des Festivals, verteidigt die Filmauswahl, besonders die Berücksichtigung...
Bericht vom 15. Filmfestival Locarno, mit Marco Blaser, zukünftiger Direktor des Tessiner...
Gartenparty mit Claude Chabrol
Impressionen mit Jurymitglied Claude Chabrol, der sich Früchte schälend mit Jurypräsident Kashito...
Alain Tanner erhält den «Goldenen Leoparden» für seinen Film «Charles mort ou vif». Der Film...
Die Piazza Grande wurde erstmals 1971 für Vorstellungen genützt. Die vom bedeutenden Locarneser...
Schweizer Filmschaffen im Sparkorsett
Alarmschrei am Filmfestival Locarno – der Bund hat im laufenden Jahr bereits alle Mittel zur...
Höhenfeuer hinterlässt Spuren
Der Schweizer Fredi Murer erhält für seinen Film «Höhenfeuer» den Goldenen Leoparden. Der tragische...
Kontext
Insgesamt 192'000 Zuschauer, mehr als 4'000 Film- und Medienschaffende, 16 Kategorien mit einem international anerkannten Wettbewerb, Freilichtvorführungen vor 10'000 Zuschauerinnen und Zuschauern auf der 364m2 grossen Leinwand der magischen Piazza Grande – diese Zahlen von 2006 belegen, dass das Filmfestival Locarno im Verlauf der letzten Jahre zur grössten kulturellen Veranstaltung der Schweiz geworden ist.
Es dauert mehrere Jahrzehnte, in denen die Veranstaltung auch grössere Krisen durchlebt, bis das Filmfestival Locarno die heutige Ausstrahlung und Bedeutung erreicht. Der am 22. August 1946 erstmals von Kinoliebhabern organisierte Anlass ist zunächst bescheiden und ohne Wettbewerbsprogramm. Ort und Umgebung am Langensee tragen dazu bei, dass die neuen Stars des internationalen Kinos das Festival entdecken und gerne wiederkommen. Der Glamour der frühen Jahre lässt sich in den Filmwochenschauen nachvollziehen.
Durch den Bund 1963 erstmals mit 20'000 Franken unterstützt (heute beträgt der Beitrag gegen 1,2 Millionen), führen politische Auseinandersetzungen und Streitigkeiten über die Ausrichtung des Festivals immer wieder zu Spannungen. Der Direktor Vinicio Beretta wird mitten im Kalten Krieg zum Rücktritt gedrängt, weil er sowjetische Filme ins Programm aufgenommen hat.
1968 wird auf die künstlerische Leitung Druck ausgeübt, alle Filme aus dem Ostblock abzusetzen. Das führt dazu, dass die gesamte Jury aus Protest zurücktritt und kein Preis ausgerichtet werden kann.
Ab den 1980er Jahren wird das Filmfestival unter David Streiff (Direktor 1982-1991) und Marco Müller professionalisiert und öffnet sich insbesondere dem asiatischen Filmschaffen. 2002 reiht sich Locarno in die erste Kategorie der grossen Filmfestivals ein, neben Cannes, Berlin und Venedig.
60 Jahre nach der ersten Vorführung begeistert das Filmfestival Locarno mehr denn je alle Filmfreunde mit seiner Dynamik, Frische, Publikumsnähe und einer gewissen Bescheidenheit. Mondäne Laufstege und rote Teppiche sucht man vergebens. Laut Direktor Frédéric Maire ist Locarno noch heute «ein Festival, das Camping macht...» – in Anspielung auf die beständigen Budgetprobleme und die zum Teil fehlende Infrastruktur, welche mit der weltweiten Ausstrahlung im Widerspruch steht.




